"who is who" auf unserer Tour 

Lerne unsere spannenden Frauen, die wir auf unserer Tour besuchen, näher kennen. Sie alle schreiben oder haben Geschichte geschrieben. Jede auf ihre ganz eigene Art und sie sind ein wichtiger Teil "unserer Frauengeschichte" in der Schweiz.

                                                                                                                                                                        

Wir fahren am Samstag, 26. Juni auf dem frisch nach Emilie Lieberherr benannten Platz in Zürich ab. Ein würdiger Startpunkt unserer Tour.

Das Pfeifkonzert an jenem geschichtsträchtigen 1. März 1969 auf dem Bundesplatz in Bern galt dem Bundesrat und dem Parlament, welche die Menschenrechtskonvention des Europarates nur unter Vorbehalten unterzeichnen wollten. Grund dafür waren die fehlenden politischen Rechte der Frauen. Ein Aktionskomitee organisierte daraufhin als Ausdruck des Protests und der Empörung einen Marsch nach Bern, dem sich 5000 Personen anschlossen. Lauthals forderten sie die sofortige Verwirklichung des Stimm- und Wahlrechtes für Frauen auf allen politischen Ebenen. Angeführt wurde die Menschenmenge - gut sichtbar im roten Mantel - von Emilie Lieberherr. Ein Jahr später, nach der Einführung des Stimm- und Wahlrechts für Frauen auf kantonaler Ebene, wird Emilie Lieberherr die erste Zürcher Stadträtin.

Fun Fact: Während eines 3-jährigen Amerika-Aufenthaltes Ende der fünfziger Jahre unterrichtete sie zudem als French speaking Governess die Kinder des Filmschauspielers Henry Fonda

                                   

 26.06.2021: Karin Patton: Biersommelière

Einst war Bierbrauen Frauensache. Nicht etwa ein Abt hat sich als erster
wissenschaftlich über die Brauereikunst ausgelassen. Es war eine Äbtissin:
Hildegardis von Bingen im 12. Jahrhundert.
Karin Patton setzt als Biersommeliere und Mitinhaberin der Barfuss Brauerei in Schönholzerswilen im Kanton Thurgau diese Tradition fort.  
Wir besuchen am Sonntag auf dem Weg ihr Werk und geniessen abends nach
der Ankunft in Kreuzlingen ein Biertasting mit ihr.
                                                                               

26.06.2021: Margrith Bigler-Eggenberger: 1.Bundesrichterin der Schweiz

Margrith Bigler-Eggenberger (*1933) war die erste Bundesrichterin der Schweiz. 1974, drei Jahre nach Einführung des Frauenstimmrechts, wurde sie nur knapp zum Mitglied des Bundesgerichts gewählt. Sie blieb 17 Jahre lang die einzige Bundesrichterin in der Schweiz.

Eines ihrer beruflichen Höhepunkte war die Verhandlung über Lohngleichheit im Jahr 1977. Eine Lehrerin hatte staatsrechtliche Beschwerde wegen Lohndiskriminierung eingereicht – und das Bundesgericht gab ihr recht.

Margrith Bigler gesellt sich am Sonntag Abend zum Abendessen zu uns. 

27.06.2021: Isa Müller 

Isa Müller umrundete die Erde alleine mit dem Motorrad in 17 Tagen und 7 Stunden und legte 23'120 km auf dem Motorrad zurück, inkl. Schlafen, Essen, Pausen, Reifenwechsel und Servicearbeiten am Motorrad und hält somit den Weltrekord der schnellsten Erdumrundung einer Frau mit dem Motorrad.

Am 6. Mai 2018 startete Isa Müller mit einer BMW S 1000 R am Love Ride Switzerland gleichzeitig mit ihren Kontrahentinnen aus Österreich, Russland und den USA, wobei alle vier Fahrerinnen in ihren jeweiligen Nationen starteten. Die Route der Schweizer Fahrerin wurde in drei Teilabschnitte unterteilt, wobei verschiedene Checkpoints angefahren werden mussten, unter anderem alle Ace Cafes weltweit.

27.06.2021: Aline Auer aus Teufen, kämpfte für das Frauenstimmrecht in Appenzell Ausserrhoden.

Erst knapp 20 Jahre nach Einführung des Stimmrechts für Frauen in der Schweiz kamen auch die Innerrhoderinnen zu ihrem Recht. Dreimal hatten sich die stimmberechtigten Männer auf dem Landsgemeindeplatz in Appenzell gegen das kantonale Stimm- und Wahlrecht ihrer weiblichen Bevölkerung ausgesprochen.

Erst 1990 riss bei einigen Appenzellerinnen der Geduldsfaden. Vor dem Bundesgericht erhielten sie im November des selbigen Jahres schliesslich Recht: Die Appenzeller handelten verfassungswidrig und mussten ihren Frauen ab sofort ebenfalls das Stimmrecht zugestehen.

 

28.06.2021: Sr. Aloisia Steiner, Priorin des Kloster St. Johann, Müstair 

Klosterfrauen, Wissensträgerinnen in Europa: Seit dem 12. Jahrhundert, also länger, als die Schweiz existiert, leben Frauen im Kloster St. Johann in Müstair. Klöster und Klosterfrauen waren über Jahrhunderte Wissensträgerinnen in Europa. Das Kloster bot Frauen im Mittelalter Bildung und die Möglichkeit, sich familiären Normen zu entziehen. Auch wenn das politische Frauenstimmrecht in einem Kloster eine untergeordnete Rolle spielt: auch Klosterfrauen müssen in der kirchlichen Hierarchie ihren Platz finden und mitunter dafür einstehen.

Sr. Aloisia Steiner wird uns durch das Kloster führen und wir nehmen sie anschliessend auf eine kurze Motorradausfahrt mit.

29.06.2021: Katharina von Salis, Silvaplana

Wir besuchen auf der Fahrt von Sta. Maria nach Bellinzona Katharina von Salis in Silvaplana. Katharina von Salis war vor 60 Jahren eine der ersten Spitzensportlerinnen der Schweiz. Die Ärzte meinten, sie könne keine langen Distanzen laufen. Ihre Gebärmutter falle sonst raus und sie könne dann keine Kinder mehr bekommen. Die Sportlerin belehrte aber die männerdominierte Sportwelt eines Besseren. Sie lief im Orientierungslauf an der Weltspitze. 1966 holte sie Silber an der WM in Finnland. Sie war zudem als ETH-Professorin engagiert für die Gleichstellung an den Schweizer Hochschulen.

30.06.2021: Geburtshaus Emilie Lieberherr, Erstfeld

Wir besuchen auf der Fahrt von Bellinzona nach Luzern das Geburtshaus von Emilie Lieberherr in Erstfeld wo uns die Gemeinderätin - und Motorradfahrerin - Rebekka Wyler mehr zu Emilie Lieberherr's Kindheit erzählen wird. 

 

 

30.06.2021: Josi Meier, erste Ständeratspräsidentin

In Luzern gedenken wir auf dem Josi J. Meier-Platz der ersten Ständeratspräsidentin.

Josephine Johanna Meier (1926-2006) wuchs in sehr einfachen Verhältnissen auf. In Luzern besuchte sie das Gymnasium und studierte anschliessend Rechtswissenschaft in Genf. 1952 erwarb sie das Anwaltspatent und eröffnete in Luzern ein eigenes Anwalts- und Notariatsbüro. Früh setzte sie sich für Gleichberechtigung und das Frauenstimmrecht ein und wurde nach der Annahme des Frauenstimmrechts 1971 als eine der elf ersten Frauen für die CVP in den Nationalrat gewählt. Ab 1983 politisierte sie bis 1995 im Ständerat. 1991/92 war sie dessen erste Präsidentin.

Im Gegensatz zu den meisten andern National- und Ständeräten hat Josi Meier während ihrer politischen Laufbahn nie ein Verwaltungsratsmandat angenommen. «Andere leisten sich eine Jacht oder ein Pferd, ich leiste mir eine eigene Meinung, das ist etwa gleich teuer» war einer ihrer Aussprüche.

«Erst heute begreife ich jene Männer, die mir am Anfang meiner Karriere sagten, die Frau gehöre ins Haus. Recht hatten sie. Die Frauen gehören ins          Gemeindehaus, ins Rathaus, ins Bundeshaus.»
Zitat Josi J. Meier, Frauensession 1991
  Vor über 30 Jahren sorgte CVP-Nationalrätin Judith Stamm für Aufsehen, als sie gegen den Willen der eigenen Partei für den Bundesrat kandidierte: 1983 war Stamm in den Nationalrat gewählt worden. Kurz darauf gaben beide CVP-Bundesräte ihren Rücktritt bekannt. Für die Nachfolge stellte die Partei Flavio Cotti und Arnold Koller auf.   «Mich hat es wütend gemacht, dass man nicht einmal in Betracht zog, eine Frau aufzustellen».   Auch wenn ihre Bundesratskandidatur scheiterte – wie sie selber erwartet hatte: Ihre konsequente Haltung wurde auch in ihrer Partei und Parlamentsfraktion geschätzt, die Stamm später für das Präsidium vorschlugen. Stamm wurde gewählt und amtete 1996/97 als erste Frau als Nationalratspräsidentin. 
  Ylfete Fanaj wurde in Kosovo geboren und lebt seit 1991 im Kanton Luzern. Zusammen mit ihren vier Geschwistern wuchs sie in Sursee auf. Die 37-jährige, gelernte Kauffrau und studierte Sozialarbeiterin wohnt seit 2007 in der Stadt Luzern. Sie war von 2007 bis 2011 Mitglied des Grossen Stadtrates der Stadt Luzern. Seit 2011 ist sie luzerner Kantonsrätin und wurde 2020 als erste Migrantin überhaupt zur Kantonsratspräsidentin gewählt.  

 

 

01.07.2021: "Rütli der Frau", Unterbäch VS

Bei unserem Besuch in Unterbäch am 1. Juli treffen wir Germaine Zenhäusern. Germaine ist die Tochter der ersten Frau in der Schweiz, die ihren Stimmzettel abgab: Katharina Zenhäusern (1919–2014). Dass gerade in diesem kleinen Dorf im Wallis die Frauen als erste abstimmen durften, hat auch mit Iris von Roten, der Autorin von «Frauen im Laufgitter» und ihrem Mann Peter zu tun.

Unterbäch wird auch das «Rütli der Schweizer Frau» genannt, weil dort 1957 die erste Schweizer Abstimmung mit Frauenbeteiligung stattfand. Der damalige Gemeinderat hatte beschlossen, die Frauen an einer eidgenössischen Urnenabstimmung über die Ausdehnung der Zivilschutzpflicht auf die Frauen teilnehmen zu lassen. Und so wurde Katharina Zenhäusern die erste Schweizerin überhaupt, die eine Stimmkarte in eine helvetische Abstimmungsurne legte. Ihr Ehemann, Gemeindepräsident und Grossrat Paul Zenhäusern (1917–2002), und der Walliser Nationalrat Peter von Roten (1916–1991) waren die Initiatoren der Frauenbeteiligung. Der Medienaufmarsch war riesig, auch Reporter von Der Spiegel und der New York Times berichteten vom Ort des Geschehens, sowie die Schweizer Filmwochenschau in ihrem Beitrag vom 8. März 1957.

 02.07.2021: Hanny Weissmüller, oberste Lokführerin der Schweiz

In ihrer Familie spielten Lokomotiven immer eine grosse Rolle: «Schon mein Grossvater stellte Transformatoren für Lokomotiven her. Und mein Vater erzählte mir von seiner Arbeit und seinen Begegnungen mit den Lokführern. Ich wollte unbedingt auf eine Lok, in den Führerstand.» Doch als es in ihrer Jugend um die Berufswahl ging, machte ihr Vater ihr wenig Mut. Er war Ingenieur für Lokomotiven bei Brown Boveri und kannte das Milieu gut; das sei nichts für sie. Damals hatte es bei der SBB eine einzige Lokführerin. Sie wird stattdessen Programmiererin, legt eine eindrückliche Berufskarriere hin, heiratet, zieht zwei Kinder gross.   Doch der Traum blieb. «Noch heute erinnere ich mich sehr gut. Mit 40 Jahren erwachte ich eines Morgens und sagte mir: ‹Weshalb mache ich das und nicht, was ich schon immer machen wollte?› Und ich habe mich bei der SBB beworben und es ist gelaufen wie auf Schienen.» Ist der Beruf im Rückblick, wie sie ihn sich als Kind ausgemalt hat? «Es ist noch besser als in der Vorstellung. Ich bin begeistert.»

 

03.07.2021 Ruth Durrer,  Astrophysikerin, Genf

Ruth Durrer  ist Physikerin und Professorin an der Universität Genf. 
«Meine Eltern wollten nicht, dass ich ins Gymnasium gehe.Das war noch eine andere Generation. Von Mädchen erwartete man, dass sie einen Beruf erlernen, heiraten und Kinder kriegen».
Über den Umweg des Lehrerseminars erwirbt sie dann aber doch noch die Studienberechtigung. Nicht für die ETH, wo sie gerne hingegangen wäre, aber wenigstens für die Universität. In Zürich studiert sie von 1978 bis 1983 Physik. 
Heute forscht sie als Astrophysikerin und Kosmologin zu den Ursprüngen des Universums. Und ist eine der immer noch wenigen Frauen in MINT-Berufen.

04.07.2021 Pascale Beucler,  Madame le Colonel, Jura

Sie hatte keine Kondition, aber mit eisernem Willen gelang es ihr trotzdem, alle Hindernisse zu überwinden. Pascale Beucler ist eine der wenigen Frauen  - derzeit sieben -, die in der Schweizer Armee den Rang eines Oberst erreicht haben. Sie ist Chef Personelles bei der Militärjustiz. Heute 55 Jahre alt, trat sie vor mehr als 30 Jahren in die Armee ein.
«Die Abstimmung von 1981 über die Gleichstellung der Geschlechter hat die Debatte eröffnet. Einige Männer sagten uns zu Recht: Wenn ihr die volle Gleichberechtigung wollt, müsst ihr auch die gleichen Pflichten erfüllen wie Männer. Deshalb wollte ich meinen Beitrag leisten.»
Die Bilanz ihrer militärischen Karriere bezeichnet sie als 150% positiv. Pascale Beucler wird mit uns ihre Motivation, die Etappen und Herausforderungen teilen, die es ihr ermöglichten, diesen prestigeträchtigen Rang zu erreichen.
 

06.07.2021: Besuch Gosteli Museum, Worblaufen

Archiv zur Geschichte der Frauenbewegung: "Einsatz wider das Vergessen"
 
Die grauen Schachteln und die darin enthaltenen Memorabilien, Briefe, Protokolle, Artikel, Handschriften und Tagebücher, die im Frauenarchiv in Worblaufen nahe Bern aufbewahrt werden, zeugen von Passionen und Hoffnungen, von Courage und Tatendrang, auch von Verletzungen, Wut und Enttäuschungen, durchlebt vor allem während des jahrzehntelangen Kampfes für das Frauenstimmrecht.  Bereits in den 60er Jahren planten die grossen Frauenverbände ein Zentrum, das das umfangreiche, aber überall verstreute und schwer zugängliche Archivmaterial bündeln sollte. Allein, es fehlte das Geld. 1982 stellte Marthe Gosteli (gest. 2017) ihr Elternhaus, das Gut Altikofen in Worblaufen, zur Verfügung.  
Die Archivleiterin Silvia Bühler führt uns am 5. Juli durch das Gosteli-Archiv, oder genauer, durch das Archiv zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung.  

 

07.07.2021: Abschluss der Tour mit Live Konzert von Caroline Chevin

 
Sie hat uns bereits während der ganzen Tour mit ihrem grossartigen Song "Enjoy the ride" virtuell begleitet und wird uns bei einem Live-Konzert noch einmal mit auf Tour nehmen. Unser unvergesslicher Motorrad-Corso erhält so einen fulminanten und würdigen Abschluss.
 
Die Sängerin ist zurück!   Zurück in der Schweiz – zurück auf der Bühne. Mit neuen Songs und ihren bekannten Hits. Der Ohrwurm «Back In The Days» ging 2010 um die Welt und hat sich über 80 Wochen in den Airplaycharts gehalten.   Auf Ihrem letzten Album «Hey World» gewährte Caroline Chevin tiefe Einblicke in ihre ganz persönliche Emotionswelt. Dem Release folgten erfolgreiche Tourneen, unter anderem teilte Sie die Bühne mit Sir Eric Clapton und Bryan Adams.   Jetzt meldet Sie sich zurück, mit neuen Songs im Gepäck. Songs einer Weltenbummlerin, welche vor über 5 Jahren loszog, um ihre Träume zu leben und von einem Roadtrip, von welchem sie erst dieses Jahr zurückgekehrt ist. Sie feiert mit uns und mit ihrem Hit «Enjoy the ride» den Abschluss unserer Tour.